Wallersdorf hat sich in acht Jahren Dorferneuerung aufgehübscht

Begeistert ist Ortsvorsteher Gerd-Dieter Kaiser (rechts) von der Umgestaltung des Wallersdorfer Schandflecks zu einem ansehnlichen Eigenheim für die junge Familie von Frank Wilhelm (am historischen Türpfosten) und Vorzeigeobjekt für die Gemeinde

 

Nach acht Jahren ist die Dorferneuerung im Grebenauer Stadtteil Wallersdorf abgeschlossen. Mehr als 2,5 Millionen Euro wurden investiert und die Bevölkerung hat kräftig mit angepackt.

WALLERSDORF - Unser Dorf hat Zukunft - in Wallersdorf ist in der Dorferneuerung mit Beharrlichkeit und Ausdauer kräftig in die Hände gespuckt worden. Das Ergebnis kann sich zweifelsohne sehen lassen: Nach achtjähriger Bauzeit von städtischen und privaten Projekten sowie der Erneuerung der bekannten Ortsdurchfahrt aus der Nachkriegszeit wurde am Samstag im örtlichen Kiebitzhaus der offizielle Schlusspunkt des zukunftsträchtigen Programmes gesetzt.
"Dieser langjährige Einsatz hat zwar auch viele Nerven gekostet, aber am Ende hat es sich gelohnt", blicken Ortsvorsteher Gerd-Dieter Kaiser und sein Stellvertreter Bernd Emmerich als federführende Initiatoren des Mammutprojektes vor der großen Versammlung im Gespräch mit unserer Zeitung zurück.
 
Der Dorfsanierung um Jahre vorausgegangen war die Gestaltung eines zentralen, gepflasterten Dorfplatzes als Ort der Begegnung. Dazu schlossen sich Dorfbewohner zusammen, bestellten auf eigene Kosten Pflastersteine und weiteres Material, um im Zusammenspiel von älteren und jüngeren Generationen ihren schönen Dorfplatz anzulegen. Ein weiteres Projekt zum Gemeinwohl aller sei der Fahrrad-/Fußweg nach Grebenau gewesen, sagen Kaiser und Emmerich und betonen so das tatkräftige Engagement der Dorfgemeinschaft. "Es kann auch nur funktionieren, wenn alle an einem Strang ziehen. Wenn Alt und Jung zusammengehen und die Dinge an- und aussprechen, um miteinander etwas zu bewegen", bringt das Duo den Kern eines zukunftsorientierten Dorflebens auf den Punkt.
 
Als nächstes und gefühlt wichtigstes Projekt nahmen die Ortsvorsteher dann das äußere Erscheinungsbild ihres 260-Seelen-Ortes in Augenschein. Neben deutlich sichtbaren Spuren des demografischen Wandels wurden vor allem ein zerfallener Bauernhof am Ortsausgang gen Hatterode und die marode Durchgangsstraße zum negativ besetzten Aushängeschild des Grebenauer Stadtteils. "Über deren blauen Pflastersteine fuhren schon die Amerikaner im Zweiten Weltkrieg. Die Straße war eine der schlechtesten Straßen im Kreisgebiet", nannten Kaiser und Emmerich das Kind beim Namen. Zur Stabilisierung der Infrastruktur stellte dann das "Dreamteam" im Jahr 2010 beim Land Hessen einen Antrag zur Aufnahme der Kommune als Förderschwerpunkt in das Dorfentwicklungsprogramm. Parallel dazu "kämpften" die Antragsteller auch mit Sachverstand und intensiver Arbeitskraft um die Sanierung der zur Zumutung mutierten Durchgangsstraße. Mit Erfolg - nach Übergabe der Förderbescheide rollten die Bagger und machten das Gründchen-Dorf zu einer lebendigen Baustelle.
 
Die Ortsdurchfahrt stellte mit etwa 1,2 Millionen Euro den höchsten Kostenfaktor dar. Daneben schlugen die städtischen Sanierungsobjekte Backhaus, Spielplatz und Friedhof mit rund 200 000 Euro sowie die Vorhaben bei den Privatbesitzern mit mehr als 1,1 Millionen Euro zu Buche. "Wenn man bei diesen Geldern unsere niedrige Einwohnerzahl bedenkt, ist das schon gewaltig", sind sich die Frontmänner einig.
 
33 Familien packen an.
Von den insgesamt 80 Haushalten in Wallersdorf legten 33 Familien an ihren Grundstücken und Häusern im "alten Dorf" ordentlich Hand an, investierten eine Menge in Dächer, Fassaden, Fachwerk und Fenster. Mitunter mussten dabei auch alte Gebäudeteile durch Rückbau für neue Vorgaben weichen, lautet das Resümee nach der "Großbaustelle Wallersdorf".
 
Eine Win-Win-Situation auf allen Ebenen war im Zuge dessen zweifelsohne die Wandlung des baufälligen Schandflecks am Ende von Wallersdorf zu einem ansehnlichen Eigenheim für eine junge, im Ort verwurzelte Familie. "Gerne wollten wir hier in Wallersdorf bleiben, fanden jedoch bei unserer anfänglichen Suche kein geeignetes Objekt", klinkt sich Neubesitzer Frank Wilhelm in die Rückschau ein. Durch die Dorferneuerung, das Wohlwollen des vorherigen Eigentümers und letztlich den immensen Mut zum Kauf des sanierungsbedürftigen Objektes verwirklichte er mit seiner Frau Steffi den Traum vom eigenen "Haus im Glück". 2013 wagten die Eheleute den Sprung ins kalte Wasser und kauften das Anwesen. Mit Hilfe planerischer und handwerklicher Unterstützung stellten sie ein Bauvorhaben auf die Beine, welches sich durchaus vor Ort als "Pilotprojekt" bezeichnen ließe. Bestehende alte Gebäudeteile wurden in die Neusanierung integriert, historische Bauelemente mit moderner Bauweise verknüpft. "Jetzt geben zwei Vollgeschosse genügend Platz für die bereits gewachsene Familie", freut sich "Häuslebauer" Wilhelm über sein hübsches Heim mit viel Garten-, Hof- und Spielfläche für die Kinder.
 
So wie diese Familie haben noch weitere junge Familien in den vergangenen Jahren in Wallersdorf ihr Zuhause gefunden. Allein mehr als 20 Kleinkinder vermitteln derzeit den Ortsvorstehern ein schönes Bildnis ihrer Heimat: "Unser Wallersdorf hat Zukunft. Für Nachwuchs ist und wird auch weiterhin gesorgt", schmunzeln die Teilnehmer der Runde über die positive Entwicklung des Dorfes.
 
Quelle: https://www.oberhessische-zeitung.de/lokales/vogelsbergkreis/grebenau/wallersdorf-hat-sich-in-acht-jahren-dorferneuerung-aufgehubscht_19105451
 
 

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