Seniorenkreis Grebenau macht weiter

Weil die Unterkunft wegen einer Eigenbedarfskündigung wegfiel, stand die Tagesbetreuung in Grebenau auf der Kippe. Aber der Seniorenkreis macht im evangelischen Gemeindehaus Schwarz weiter.

Völlig zwanglos ohne Festprogramm feiern die Grebenauer Senioren den Umzug ins Gemeindehaus in Schwarz. Foto: Buchhammer

GREBENAU - Nach Wochen des Bangens kam aus Schwarz die rettende Botschaft - der Seniorenkreis Grebenau geht weiter: Seit Dezember des Jahres 2011 etablierte ein engagiertes Team im Gründchen ein außerordentliches Betreuungsangebot für Senioren im Jossa Haus von Grebenau. Mit Vollendung des "verflixten siebten Jahres" stand jedoch die Fortsetzung der Tagesbetreuung wegen Eigenbedarfskündigung des Immobilienbesitzers in der Schwebe. Dank der evangelischen Kirchengemeinde Schwarz hat das Vorzeigeprojekt fortan im Gemeindehaus in Schwarz eine neue Bleibe gefunden.

"Mit dem Seniorenkreis musste es einfach weitergehen. Das ist eine wahre Bereicherung für uns alte Leutchen", brachte es eine Seniorin im Rahmen eines kleinen Umzugsempfangs mit mehreren Ehrengästen aus Politik, Kirche und Gesellschaft auf den Punkt. Kurzum offenbarte sich im Gemeindesaal zwischen angeregten Gesprächen über "dies und das" bei Kaffee und Kuchen sowie frohem Gesang eine vertraute Atmosphäre. Wie in einer großen Familie füllten allesamt den zur Kaffeetafel hergerichteten Saal mit Leben. Völlig zwanglos ohne Festprogramm und Reden mischten sich noch "Hausherrin" Pfarrerin Xenia Mai, Grebenaus Bürgermeister Lars Wicke (Freie Wähler), Ortsvorsteherin Renate Hermann, Seniorenbeauftragter Arno Eidt sowie Pfarrer Toralf Kretschmer unter die Seniorengruppe. "Wir haben heute ja sogar die Presse an Bord", witzelte ein betreutes Damenduo über das eine oder andere Foto beim gemeinsamen Gespräch.

Um es vorwegzunehmen: Der Seniorenkreis Grebenau ist weder als Konkurrenzunternehmen zum Grebenauer Pflegeheim noch zum Sozialdienst zu verstehen, sondern lediglich ein niederschwelliges Tagesbetreuungs-Angebot in Form eines "Seniorenhortes" - zur Entlastung für Angehörige und Abwechslung für die Teilnehmer. An zwei Tagen in der Woche - genau genommen jeden Montag und jeden Mittwoch - schenkt dabei ein ehrenamtlich aktives Betreuungsteam um Pflegeexpertin Anette Ackermann und Hauswirtschaftsmeisterin Heike Schertel von morgens bis zum späten Nachmittag den Besuchern vom Seniorenkreis besonderes viel Zeit und Aufmerksamkeit.

Jeder Einzelne der Gruppe bringe seine eigene Geschichte mit. Demografischer Wandel, das Leben und Krankheiten hinterließen ihre Spuren. "Niemand aber sollte in jener Lebensphase das Gefühl der Einsamkeit verspüren", eröffnete das Seniorenkreisteam die Einsichten in den "Seniorentreff der umsorgten Art". Die Aktiven bemühten sich, vorhandene Ressourcen ihrer Gäste auf vielfältige Weise zu erhalten, sei es durch Gedächtnis- und Gesellschaftsspiele, durch gemeinsames Schnippeln von frischem Gemüse für das Mittagessen, durch kleine Handreichungen, Gesten und Gespräche zum Kitzeln der Wahrnehmung und Persönlichkeit. "Die Leute sind glücklich, wenn sie noch gebraucht werden und ihren Beitrag zum Tagesablauf leisten können. Wir sprechen über gelebtes Miteinander, über Beziehungen, über Selbstwert, Respekt und Würde", so der Tenor der langjährigen Aktiven mit Herz am rechten Fleck.

Die Senioren kommen längst nicht mehr nur aus Grebenau. Der Radius habe sich auf das Umland ausgedehnt, der "Seniorenkreis-Shuttle" steuere inzwischen auch Alsfelder Stadtteile genauso an wie Ortsteile von Breitenbach am Herzberg und Niederaula. "Der Bedarf ist da, das Team gibt alles und den Leuten tut es sichtbar gut", erzählten die Mitarbeiter aus der Praxis.

"Hab mein Wagen, vollgeladen", fange der Tag im Seniorenkreis schon am Morgen mit ordentlich Stimmung an, verriet Busfahrer Volkmar Schmidt. Die Initiatoren nämlich bieten ihren zu betreuenden Gästen einen Transfer vom Wohnort zum Gemeindehaus Schwarz und wieder zurück nach Hause, somit haben die Angehörigen gewissermaßen keinerlei Arbeit mit der Fahrt zum Hort.

Durch eine Privatspende rollte vorübergehend der Bus aus Wallersdorf an. Als Schmidt kürzlich einen VW-Bus mit Schild 'zu Verkaufen' entdeckte, machte er kurzum "Nägel mit Köpfen" und investierte in das Vehikel, um mit zwei weiteren Fahrern einfach freier und gelöster planen zu können. Für Schmidt sei das eine wunderbare Möglichkeit, den Seniorenkreis tatkräftig zu unterstützen. "Die Senioren haben während der Fahrt schon viel Spaß miteinander - und das allein war es schon wert, das Fahrzeug zu kaufen", bemerkte der engagierte Chauffeur und Lebensgefährte von Heike Schertel.

Letztlich stimmten Bürgermeister Wicke und Pfarrerin Mai in das Hohelied des Dankes und Lobes mit ein. Der Seniorenkreis biete auch im Gemeindehaus in Schwarz den Bürgern eine schöne Plattform zur gemeinsamen Begegnung, fördere den Erhalt der persönlichen Selbständigkeit der älteren Generationen und unterstütze auf vielfältige Weise die soziale Gemeinschaft.

Gerne stehe das Team um Anette Ackermann für Informationen, Fragen oder dem Wunsch zum Schnuppern zur Verfügung. Der Kontakt könne über die Stadtverwaltung Grebenau, Telefon 06646/97 00, hergestellt werden.

Quelle: Oberhessische Zeitung: https://www.oberhessische-zeitung.de/lokales/vogelsbergkreis/grebenau/seniorenkreis-grebenau-macht-weiter_20054424

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