Musikalisches Aushängeschild

SCHWARZ/RAINROD - Sie sind das musikalische Aushängeschild ihrer Heimat und sorgen im Stile von Ernst Mosch für Schunkellaune und gute Unterhaltung: Jahrzehnte bereicherten die Musiker vom evangelischen Posaunenchor Schwarz in Rainrod die Kirmes mit ihren schwungvollen Polkas im Egerländer Sound. Nach zehnjähriger "Zwangspause" knüpfen die Blechbläser am Samstag, 27. Oktober, an jene Hochzeiten an und laden um 20 Uhr zu einem "Böhmischen Abend" ins Gasthaus Graulich.
 
 
"Was hatten wir immer einen Spaß in Rainrod. Und nicht nur wir Musiker auf der Bühne, sondern auch die Festbesucher der Kirmes. Ein Gastspiel mit Polkas, Walzer und Märschen gehörte einfach dazu und die Leute genossen die Gute-Laune-Musik in zünftiger Geselligkeit in vollen Zügen", schwärmten die älteren Bläser des Posaunenchores um Chorleiter Jochen Grabowski in einer Übungsstunde in der Auerberghalle. Angetrieben von Nachfragen zahlreicher Nostalgiker und Fans entschieden sich die Bläser für ein kleines Revival. "Die Kirmes können wir nicht halten, aber Musik können wir machen", brachte Lars Wicke in seiner Funktion als Vorsitzender der Musikformation es auf den Punkt. Umso mehr freue sich jetzt die Bläserschaft auf die tatkräftige Unterstützung der Familie Graulich.
 
Locker, flockig setzten mehr als 20 Bläser ihre Instrumente an und entfachten einen mitreißenden Klang. Klassiker wie "Rauschende Birken" und "Die Kinder von Eger" erfüllten den Raum genauso mit "Schwärzer Note" wie moderne Stücke im "Beat" des Königs der Blasmusik. Die Bläser seien zwischen 15 und 69 Jahre alt und man baue gewissermaßen mit viel Spaß und Freude am Tun auf ein Miteinander, voneinander und füreinander. "Allein bei der Erfüllung des kirchlichen Auftrags zu Gottesdiensten, Kirchenfesten, runden Geburtstagen oder Jubiläen kommen mehr als 140 Termine im Jahr schnell zusammen - plus weitere als "böhmische Blaskapelle". Das geht nur, wenn alle am gleichen Strang ziehen", machte Wicke deutlich.
 
Wie geht das? Gibt es etwa vor Ort ein Geheim- oder Patentrezept für den Griff zu Trompete, Flügelhorn, Tenorhorn, Tuba und Posaune? Eine kleine Umfrage zur Pause gab einige Argumente zu erkennen.
"Natürlich bereiten schwierige Notenpassagen oder ungeliebte Stücke beim Alleinüben - womöglich noch zu Hause - nicht sonderlich Motivation. Gemeinsam in der Gruppe aber hört sich das Masterstück doch ganz anders an, sodass der Funke meist sofort überspringt und die Noten viel flüssiger laufen", erzählten mehrere Bläser von ihren Erfahrungen.
Sabine Geißel untermauerte den Gemeinschaftssinn aus einer anderen Perspektive. Fast 30 Jahre gehöre sie bereits dem Posaunenchor als Tenorhorn-Bläserin an. "Das ist eine lange Zeit, in der man vieles miteinander gelernt und erlebt hat. Nicht nur in der Musik, sondern auch in der generationsübergreifenden Begegnung. Jüngere können von den älteren Hasen ebenso lernen wie umgekehrt. Und das ist schön anzusehen, hält allesamt fit und aufrecht", so die Musikerin.
 
Schlichtweg mit Leib und Seele verwurzelt schien Helmut Caplap mit seinem Posaunenchor zu sein. Der Tubist trat als Musiker der ersten Stunde hervor. Bereits mit neun Jahren nahm er 1960 von Gründungsvater Heinrich Peter Eifert die Herausforderung "Trompete" an. In den Anfangsjahren wurde noch in einem leeren Kuhstall geübt, später in einem Zimmer des Chorleiters. "Wir Kinder mussten uns quasi erst mal warmlaufen, ob wir überhaupt geeignet waren", blickte er mit Schmunzeln zurück. Offensichtlich hatte diese Schulung bei ihm gefruchtet. Caplap lernte alle Instrumente des Chores. Außerdem stand er dem Posaunenchor schon mehr als 13 Jahre als Leiter voran. Heute übernehme er des Öfteren in seinem Musikverein eine Springerfunktion, wenn es darum gehe, schwach besetzte Register zu unterstützen.
 
Gemessen an den Jahren seiner Vereinszugehörigkeit war Bassbläser Julian Kattner der Jüngste im Bunde. Sein Umzug von Grebenau nach Schwarz animierte ihn, bei den Kameraden anzuheuern. "Ein ansässiger Verein ist doch die beste Möglichkeit, mit den Einheimischen in Kontakt zu treten. Außerdem gibt gerade die Musik eine tolle Möglichkeit zum Relaxen", plauderte der Musiker. Für ihn stimmte die Chemie, seither sei der Posaunenchor "sein Verein". Mit Begeisterung beschrieb Kattner das gemeinschaftliche Glücksgefühl auf der Bühne, wenn man als Musiker die Zuschauer beobachte, wie die Stimmung überschwappe, die Leute schunkeln, mitsingen und jubeln. "Das zeigt uns doch, dass unsere Stücke gut ankommen", verriet der Bläser.
 
Karten zum "Böhmischen Abend" im Gasthaus Graulich in Rainrod gibt es im Vorverkauf für 8 Euro bei Getränke Geißel in Schwarz, Edeka Schäfer und Edeka Köhler in Grebenau, im Rathaus im Schwalmtal, bei Raiffeisen Waren in Rimbach, in den Buchhandlungen "Buch 2000" Alsfeld und "Lesezeichen" Lauterbach sowie im Gasthaus Graulich direkt und beim Posaunenchor Schwarz unter der Telefonnummer 06646/ 918865 oder per E-Mail an vorstand@posaunenchor-schwarz.de. An der Abendkasse kostet die 9 Euro. Einlass ist ab 19 Uhr.
 
Quelle: https://www.oberhessische-zeitung.de/lokales/vogelsbergkreis/grebenau/musikalisches-aushangeschild_19138062

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