Karneval in Grebenau

Dietmar Heddrich als Italien-Urlauber

Beim Betreten der Halle überzeugte sofort das Flair eines riesigen italienischen Ristorantes. Dort saßen „Super Marios und Luigis“, Gangster, Einhörner, Hausfrauen, Emojis und viele andere Kostümierte gemütlich zusammen. Pünktlich um 20.11 Uhr betraten der Pate (Sitzungspräsident Werner Schweiner) und zehn Mafiosi ihre Gondel auf dem Canale Grande und ließen vor den Augen der Gäste mächtig die Puppen tanzen.

„O la la, wer will eine Pizza“, lieferten zugleich die „Hüpper, Lollipops und Alte Garde“ in einem gemeinsamen Eröffnungstanz mit heißem Hüftschwung einen ersten Vorgeschmack. Die Fastnachtsgesellschaft biss an, so dass jede einzelne Gruppe in den nachfolgenden knapp 20 Menü-Punkten nochmals ordentlich Nachschlag geben musste.

Denke man an „Bella Italia“, denke man an Urlaub, Sonne und Strand. Bei Grebenaus Bürgermeister Lars Wicke hingegen schlug „Bella Italia“ schwer auf den Magen. Das zeigten seine literarischen Kopfschüttel-Geschichten aus dem Weltgeschehen des letzten Jahres. Und am Ende packte „der Pate“ das Übel bei der Wurzel. Er kitzelte vor den Augen des Publikums aus dem Rathauschef die Zusage heraus, in der Saison 2019 wieder in der Bütt zu stehen.

Natürlich sollte es am Abend nicht an weiteren Büttenreden mangeln. „Mit 50plus, schiebt man öfters Frust“, plauderte „Alt-Hase“ Carsten Montanus als „Jungsenior“ aus dem Nähkästchen. Ganz so trübe aber sollte seine Trauer um die ewige Jugend nicht enden. „Auch in einer alten Kirch, ihr Junge, wird manchmal noch die Mess‘ gesunge“, machte er allen zukünftigen „Leidensgenossen“ Mut.

Vor mehr als 25 Jahren als Fastnachter aktiv, drehte nun Dietmar Hedrich am Puls der Zeit. „Spiel, Spaß, schwuppdiewupp, es ist so schön im Ferienclub“, sang der Grebenauer das Hohelied genervter Familienväter. Bei seinen Erzählungen über seine Erfahrungen als „Italienurlauber“ brach gellendes Gelächter aus. „Heißer Sex bei heißer Luft, heißt heißer Kollaps und ab in die Gruft“, klärte der Spaßvogel auf.

„Wie schreibt man Büttenrede?“, fragten sich dann Melanie Korkel und Stephanie Weiss, derweil das Humorgeschwader Michael Schmidt und Christoph Schweiner lieber gleich Taten walten ließen. Sie sprachen den „Männern vom Bau“ eine Fülle an Kompetenz zu. Wie immer durfte natürlich auch der Stadtprotokollant des Gründchens in Person von Jürgen Ackermann nicht fehlen. Herzerfrischend weihte er alle in die geheimen Insidergeschichten der Stadt ein.

Im letzten Jahr erstmals auf der Grebenauer Bühne als Tanzmariechen präsent, verstand auch am Samstag die 18-jährige Leonie Knaust aus Empfershausen ihr Handwerk. „Das würde ich auch mal gerne machen“, fühlte sich damals Nele Frick, die 9-jährige Enkelin von Werner Schweiner, von den Darbietungen angesprochen. Mit klarem Ziel vor Augen suchte sich das Mädel eine Trainerin und legte im vergangenen Herbst mit den Proben los. Und das Ergebnis? „Das ist ja der Hammer“, eroberte das Kind die Herzen des Publikums.

Galante Schritte und raffinierte Choreographien waren zudem das Handwerk der „Moonlightangels“ und des Männerballetts, wenn auch die Schrittfolgen der Herren einem „Seniorenballett“ glichen.

Wer hätte gedacht, dass es im Gründchen eine „Agentur für Heldentaten“ gibt? Betrieben von Catwoman, Supergirl, Spider-Woman und Kanzlerin „Angie“ als Zahnfee hatte das Quartett doch eine Menge Aufträge zu erledigen. Ob Gebisse-Klau bei den Senioren oder als Major Tom zur Rettung des Bürgermeisters unterwegs – die vier Damen von der „Alten Garde“ waren sowohl optisch, als auch in ihrem Klamauk ein Garant für gute Unterhaltung.

„Nimm dir Zeit“, „I sing a Liadl für di“ rundete ein besonders gesangsfreudiges Trio – bestehend aus Dietmar Hedrich, Petra Olbich und Werner Schweiner – den Reigen der Darbietungen aus Show, Tanz und Gesang ab. Und zwischen all dem Geschehen nahmen drei Auserwählte das Aussehen der Gäste genauestens in Augenschein und prämierten die kreativsten Kostüme. Mit Abstand am bestem waren zwei bärtige „Wickinger in voller Fell-Montur“; gefolgt von einem dunklen „Pharao“ und einer partyfreudigen „Batwoman“.

Quelle: Oberhessische Zeitung http://www.oberhessische-zeitung.de/lokales/vogelsbergkreis/grebenau/bella-italia-liegt-im-gruendchen_18487838.htm

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