Jugend löst das Dilemma

Jugend löst das Dilemma
Besetzung der Rollen des Krippenspiels stellt Schwärzer vor Probleme – dann kommen der Jugendclub und die Kirmesburschen zum Zug

SCHWARZ (mpe). Krippenspiel 2018? Nicht nur in Schwarz zeichnet sich ein Trend ab, der eine Frage aufwirft, die an manchen Orten derzeit nicht zu lösen scheint: Wie bekomme ich genügend Kinder für ein Krippenspiel zusammen? Für eine Tradition, bei der sich in anderen Zeiten, die Kleinen wie gleichermaßen Eltern um diesbezügliche Rollenbesetzungen rissen. Heute erlebt man teilweise eine ausgesprochene Abwehrhaltung, sogar Scham beispielsweise die Figuren der Maria oder des Josef darzustellen.

Im Zuge eines nahezu radikalen gesellschaftlichen Wandels, der nicht zuletzt komplette Wertverschiebungen mit sich bringt, steht daher so manche Gemeinde ratlos vor der Tatsache: „Das Krippenspiel muss ausfallen, wir finden keine Leute!“

Kurz gesagt: Auch in Schwarz stand man vor kurzem in diesem Dilemma. Wobei das hiesige Krippenspiel in der jüngeren Vergangenheit unter anderem von den Konfirmanden und einmal vom Frauentreff dargestellt wurde. Einer, den die oben beschriebene Situation nicht ruhen ließ, war Holger Eidt. Kreativ, ausgestattet mit dem nötigen Durchhaltevermögen, einer mit viel Bühnenerfahrung wie im übrigen seine gesamte Familie, so nahm er die Angelegenheit in die Hand. „Im Raum stand immer schon mal die Idee, dass Schwärzer Kirmesburschen und Mitglieder des Jugendclubs für ein Krippenspiel in die Bresche springen könnten. Zumal die von ihnen organisierte jährliche Kirmes regelmäßig von der Kirche durch Zeltgottesdienst und Frühschoppen vom Evangelischen Posaunenchor Schwarz unterstützt wird“, erklärt der 57-Jährige.

„Irgendwann kann man auch mal ein kleines Dankeschön zurückgeben!“ Holger Eidt trommelte, elf junge Leute, Kirmesburschen oder Mitglieder des Jugendclubs, im Alter von 16 bis 29, sind mit dabei. Eidt selbst recherchierte und schrieb. Innerhalb von 14 Tagen stand das Drehbuch für „Die Stimme von Jerusalem“. Manches entstand in Anlehnung an Vorlagen, insgesamt jedoch ist daraus ein authentisches Krippenspiel geworden mit echter Schwärzer Couleur. Ohne jeglichen Anflug von Klamauk, ausdrucksstark und packend in der Inszenierung. Eines, was die Botschaft der Heiligen Nacht unverfälscht in ihrer althergebrachten Art und Weise wiedergibt, dabei jedoch einen pfiffigen Bogen schlägt, der das Jahr „Null“ mit den Gegebenheiten vom Jahr 2018 verbindet.

„Hier spricht die Stimme von Jerusalem!“ Mit einer Life-Schaltung führt der Reporter vor Ort zu einem Platz, „an dem in dieser Nacht die Hölle los ist“, wie er es seinem Heimatsender beschreibt. Auch von Jericho spricht er. „Jericho? Ach, das ist doch weit weg“, meint der Interviewpartner. Weit weg, ja. Aber nicht, wenn man in Schwarz lebt.

Da liegt Jericho nämlich friedlich eben gerade mal zwei Kilometer „über‘m Berg“. Seit eh und je ist das kleine Nachbardorf Udenhausen für die Schwärzer ausnahmslos als „Jericho“ bekannt. In dem von ihm geschriebenen Krippenspiel verflechtet der Autor in genialer Weise solide Heimatverbundenheit mit flirrendem Hightech aus der modernen Welt. Dramaturgisch nicht überfrachtet, sondern in pointierter Form für Jung und Alt gleichermaßen spannend inszeniert, die traditionellen Rollen mit charismatischen jugendlichen Spielern besetzt. Junge Leute, die teilweise „mit so etwas überhaupt nichts am Hut haben“, sie bringen sie rüber – die alljährliche tröstliche Botschaft „für den Frieden in Himmel und auf Erden“. Heute haben wir sie vielleicht nötiger denn je.

Im Heiligabend-Gottesdienst, um 16 Uhr in der Evangelischen Kirche von Schwarz, können Besucher „Die Stimme von Jerusalem“ erleben.


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