In Grebenau gibt es rauch-zartes Fleisch aus dem Smoker

GREBENAU - Auf den ersten Blick erinnert das selbst gebaute "Rauchteil" der Grebenauer Altburschen an eine noch immer andauernde Vorliebe für Jim Knopf, Lukas und dessen Lokomotive Emma. Beim zweiten Blick aber entpuppt sich das Vehikel mit Brennkammer und Schornstein als wahres Schätzchen für rauch-zart, auf der Zunge zergehendes Fleisch namens "Pulled Pork" aus dem "Smoker". Auf Food-Festivals servieren die Anbieter ihre Fleisch-Spezialität im Brötchen, im Gründchen zählt das "mega leckere Pulled Pork nach Art des Hauses" bereits seit mehr als sechs Jahren beim Weihnachtsmarkt als lukullischer Geheimtipp unter den Genießern (siehe unten stehender Text).
Viele Köche verderben ja bekanntlich den Brei - in Grebenau aber ist es eben genau diese Mischung aus Ideenreichtum, Kreativität und Tatendrang, die das Geheimnis ihres Erfolgs zugunsten sozialer Einrichtungen und Projekte des Umlandes um ein Vielfaches steigen lässt. "Wir sind in Grebenau mit dem Engagement unserer Eltern für einen 'Weihnachtsmarkt mit Benefizcharakter' aufgewachsen. Da scheint es doch geradezu naheliegend, dass wir seit unserer Jugend als Burschen kräftig mitanpacken, um die Tradition des besonderen Weihnachtsmarktes aufrechtzuerhalten, bei dem alle Einnahmen zu 100 Prozent gespendet werden", eröffnete "Pulled Pork-Experte" André Stumpf die Einsicht in einen begehrten Stand für Groß und Klein - die nahrhaft gute Grillküche der knapp 15 Altburschen.
 
 
Die Betreiber der Gyrosbude gingen 2012 in Ruhestand. Krampfhaft wurde ein Ersatz gesucht, um dem herzhaften Geschmack der Weihnachtsmarktbesucher ebenso gerecht zu werden, wie den Süßmäulern. Vier Altburschen sprangen sofortin die Bresche, und baten ihre Freunde um Unterstützung. Da allesamt vorher über zehn Jahre schon aktive Mitglieder der örtlichen Burschenschaft waren, bedurfte es keiner langen Vorreden zur Aufgabenverteilung. Kurzum war sich das Team einig, besorgte mehrere Holzgrills und brutzelte los.
Von Beginn an war die richtige Zubereitung des Fleisches der Part von Stumpf. Während seines Studiums in den USA lernte er einzelne Kniffe und Feinheiten kennen. Wieder zu Hause, probierte der Grebenauer solange die Grillvoraussetzungen und die Zutatenliste seiner Gewürzpalette aus, bis er für sich sagen konnte: "Das passt". Danach lud der "Grillmeister" seine Kameraden zu einem Testessen und der Funke sprang sofort über.
"Natürlich war das Kapitel noch nicht ausgereift, nach oben war noch viel Raum", lachte der Heimatverbundene und erzählte, wie es kommen musste. Mehrere Grills zum Brutzeln bedeutete unterschiedliche Hitzetemperaturen und viel Stress. Die Männer mit unterschiedlichen Berufen wie Bautechniker, Metall- und Maschinenbauer, technischer Zeichner, BWLer und Informatiker aber schafften sich Abhilfe. Voller Enthusiasmus schmissen sie ihre individuellen Fähigkeiten in einen Topf und tüftelten an einem großen, "betriebseigenen Smoker" - zusammengebaut aus dem Pufferspeicher einer Heizungsanlage und Holzklappe von einem alten "Woschtkessel" aus der Waschküche der Großeltern eines Kameraden.
 
Bei so viel "hand-made"-Qualität des Ofens durfte im Laufe der Zeit natürlich auch die Verkaufsbude am Weihnachtsmarkt dem "Smoker" in nichts nachstehen. "Wer kann schon von sich behaupten, eine Weihnachtsbude mit isoliertem Holzfußboden, hygienisch ausgeklügeltem Innenausbau, Heißwasserboiler und Waschbecken zu besitzen, dass selbst der Herr vom Gesundheitsamt leuchtende Augen bei der Abnahme bekommt?", schmunzelte Stumpf über das außerordentliche Equipment seiner Freunde. Demnach würden die Ausrichtung und der Dienst beim Traditionsmarkt eher zu einem Vergnügen mutieren als zu harter Arbeit. Jeder leiste unter Berücksichtigung der Stärken und Schwächen seinen Part so gut er könne. Und für die aktive Teilnahme würden weder Kosten noch Mühen gescheut, um wirklich anwesend zu sein. "Viele Kameraden wohnen mittlerweile überall, nur nicht im Gründchen", erzählte Stumpf. Umso freudiger sei dann das Wiedersehen ab Freitagmorgen, wenn sich die Gruppe zum Aufbau des Standes treffe und die letzten Handgriffe bespreche für die kommenden drei Tage.
Dann sei auch der "Smoker" angeheizt und bereit für das Mittagessen am Samstag und Sonntag. Nach alter Vogelsberger Räuchertradition werde fortan mit Buchenholz angelegt und nicht mit Apfel, Kirsche oder Hickory-Holz wie in den USA üblich.
Von Jahr zu Jahr steige die Nachfrage nach "Pulled Pork" kontinuierlich, machten die Burschen die Erfahrung. Nichtsdestotrotz behielten sie jedoch ihre Kalkulation von 150 Kilogramm Schweinenacken im Auge getreu der Erkenntnis "wenn's all ist, ist's all". Die Werbetrommel müssten sie jedenfalls nicht rühren, die Portionen gingen weg wie heiße Semmeln. Und das sicherlich nicht ohne Grund. Das Fleisch werde mindestens 14 Stunden lang heiß und mit viel Luftfeuchtigkeit im Smoker geräuchert. Durch die lange Garzeit wiederum werde der Nacken butterweich und zerfalle von ganz allein. Demnach müssten die Stücke nur noch in mundgerechte Portionen "zerrupft" werden.
Serviert werde das Fleisch auf zweierlei Arten. Zum einen "Classic" mit Baguette und Barbecue Bohnen süß/scharf wie in den Südstaaten der USA oder im "Grebenau Style" mit Tsatsiki und Krautsalat. Entgegen der "vollgestopften" Brötchenvariante aber richten die Altburschen ihre Köstlichkeiten zum kundenfreundlichen Preis-/Leistungsverhältnis auf einem Teller an. "Die Resonanz ist unfassbar, oftmals kommen die Gäste voller Begeisterung zurück, um uns noch einmal ein dickes Lob auszusprechen für das einzigartige Geschmackserlebnis. Einmal kam sogar ein Amerikaner und lobte uns für das beste "Pulled Pork", das er jemals gegessen habe. Diese Anerkennung traf mitten ins Herz", sagte Stumpf.
Zur Abrundung des Geschmacks ließen die engagierten Burschen ihrem Erfindungsgeist noch einmal freien Lauf und kreierten aus verschiedenen Zutaten ihren winterlich angehauchten "Blongo", ein warmer, flüssiger Apfelstrudel mit Schuss, Sahne und weihnachtlich feiner Zimtnote, so die Kurzbeschreibung der Spezialität. Demnach steht der Stimulation von Appetit und Geschmacksknospen am Stand der Altburschen sicherlich nichts im Wege. Die Weihnachtsmarktbesucher brauchen es sich nur noch "schmegge lasse".
 
Quelle: Oberhessische Zeitung: https://www.oberhessische-zeitung.de/lokales/vogelsbergkreis/grebenau/in-grebenau-gibt-es-rauch-zartes-fleisch-aus-dem-smoker_19284309

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