Förster mit Leib und Seele

REIMENROD - (mpe). Authentisch, unkonventionell, locker, gesellig in munterer Runde, gleichzeitig zu jeder Zeit professionell und fundiert. So wie man ihn kennt bei Freunden und bei den Menschen, die beruflich mit ihm zu tun hatten, wurde Förster Arno Eifert aus dem hessischen Staatsdienst als Forstamtsrat verabschiedet. Alle Kollegen vom Forstamt Romrod, einschließlich Forstamtsleiter Hans-Jürgen Rupp, waren angereist. Nach einem skizziert geschilderten Lebenslauf und munteren Anekdoten, nach dem kurz und bündig geschilderten beruflichen Werdegang ging es schließlich über zum Überreichen der Versetzungsurkunde in den Ruhestand durch Forstamtsleiter Rupp.

Aber wie war es denn nun, das Berufsleben von Arno Eifert? Was hat ihn zur außergewöhnlichen Persönlichkeit werden lassen? Jemand, der bürgerfreundlich mit kaum zu stoppendem Engagement, seine Ideen und sein Fachwissen für die Belange Forst und Natur eingebracht hat. Forstamtsleiter Rupp würdigte den ausscheidenden Revierleiter der Revierförsterei Schwarz als einen "absolut loyalen und zuverlässigen Mitarbeiter". Geprägt von einem hohen Organisationstalent und seinem zuvorkommenden Wesen, sei die Arbeitsweise von Eifert durchweg planvoll und systematisch gewesen, "geprägt von Ausdauer, Tatkraft und Teamgeist". Insbesondere hob Rupp die Bereitschaft hervor, Sonderfunktionen innerhalb von Hessenforst zu übernehmen wie die als Ausbilder und Prüfer für den gehobenen Forstdienst des Landes Hessen. Dazu habe Eifert stets ein vorbildliches ehrenamtliches Engagement im Jagdwesen gezeigt. Um nur einiges zu nennen, gehörten dazu Ausbilder und Prüfer für angehende Jäger sowie seine langjährige Tätigkeit als zweiter Vorsitzender vom "Jagdverein Alsfeld" und sein langjähriger Vorsitz vom Hegering "Gründchen". Neben ehrenamtlichem Naturschutz sei es dem scheidenden Revierleiter im Rahmen der Waldpädagogik zudem immer ein besonderes Anliegen gewesen, Kinder und Jugend an die Belange von Wald und Naturschutz heranzuführen. In diesem Zusammenhang dankten besonders Liane Frantz, Leiterin des Grebenauer Kindergartens, und Feli Zohner, Vertreterin der Astrid-Lindgren-Schule, in Grebenau. Nicht nur "Bäumchen pflanzen" und die "Waldwochenenden" hätten dabei unvergessliche Eindrücke hinterlassen. Bürgermeister Lars Wicke (Freie Wähler) sprach unter anderem die Hoffnung aus, dass Eifert noch lange seine Ehrenämter in der Gemeinde beibehalten möge, zum Beispiel als Umweltbeauftragter oder Ortsgerichtsschöffe. Des Weiteren zitierte das Gemeindeoberhaupt einige Anekdoten aus dem kleinen Ovag-Buch "Mach des Gekreisch aus". Eifert als Schuljunge: "Lieber den Schmerz ertragen als die lästigen Hausaufgaben machen" - jeden Tag gab´s dafür morgens von der strengen Lehrerin "eins auf die Backe", mittags Nachsitzen, zu Hause nochmal eine kräftige Abreibung, "die blöden Aufgaben" mussten in den Ferien nachgeholt werden. Lausbubenstreiche wechselten mit Einsätzen als kleine Erntehelfer. Budchen im Wald bauen, Fertigsuppe über dem Lagerfeuer, dazu eine Runde Rauchen von "Chester" oder "Overstolz". Mit zehn Jahren der Cousine Edeltraud zu imponieren - ging so ziemlich daneben. Bei einer kleinen Übungsfahrt mit dem roten Hanomag, rammte dieser eine Basaltbruchsteinmauer des Nachbarn, der Schlepper musste vom Dorfschmied wieder in Schuss gebracht werden. Nicht ohne war die dazugehörige Tracht Prügel von Onkel Hein.

Die Zeit verging und Eifert trat beruflich in die Fußstapfen seines Vaters, der ebenfalls Förster war. Nach dem Studium in Schotten wurde der junge Forstbeamte zunächst zum Regierungspräsidium nach Darmstadt versetzt, bis er 1985 die Revierförsterei Reimenrod im ehemaligen Forstamt Grebenau übernahm. Später kam das Revier zum Forstamt Schlitz, schließlich übernahm Eifert 2005 die Revierförsterei Schwarz im neu gebildeten Forstamt Romrod.

Schon längst nicht mehr mit schmauchender Pfeife kann Eifert in manchen ruhigeren Momenten jetzt sein Försterleben in Gedanken noch einmal vorüberziehen lassen. Wie sehr sich die Zeiten gewandelt haben. Wo einst dampfende Rückepferde die Stämme aus dem Wald zogen, dröhnt heute der "Königstiger", ein Vollernter. Geblieben ist: "Es gibt keine Stechuhr, aber auch keinen Feierabend." Ebenso könne man weiter Naturerlebnisse genießen wie etwa das zarte Grün im Frühling, die Gesänge der Vögel, wunderschöne Sonnenauf- und Untergänge. Verinnerlicht haben sich bei Eifert aber auch Naturkatastrophen wie der Eisregen 1987, der Birken und Kiefern unter dem Eis zerbrechen ließ wie Glas. "Hilflos stand ich dabei. Beim Losfahren landete ich auf der mit einem Eispanzer bedeckten Straße sofort im Graben." Erinnerungen an dramatische Stunden während des Orkans "Kyrill" 2007, der nicht nur riesige Waldschäden verursachte. Stunden kämpften Helfer und der Forstmann mit Motorsägen, eingeschlossene Autofahrer zwischen den fallenden Bäumen herauszusägen. Nicht vergessen wird Arno Eifert die beiden Polizisten, die einen angefahrenen Rehbock in eine Decke gehüllt auf die Rückbank ihres Wagens gelegt hatten. Zum Tierarzt wollten sie ihn bringen, als er noch vor dem Start dorthin aus seinem Schock erwachte, die Inneneinrichtung des Autos ziemlich demolierte und schnellstens, nachdem die Türen geöffnet worden waren, im Wald verschwand.

Quelle: Oberhessische Zeitung http://www.oberhessische-zeitung.de/lokales/vogelsbergkreis/grebenau/foerster-mit-leib-und-seele_18590804.htm

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