Erstes Gewehr für 360 D-Mark

Der Schützenverein Grebenau feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen: Zum Auftakt gibt es schon am heutigen Freitag im vereinseigenen Schützenhaus einen Festkommers.
 
GREBENAU - Feststimmung in Grebenau - der Schützenverein feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen: Zum Auftakt gibt es schon am heutigen Freitag im vereinseigenen Schützenhaus einen Festkommers mit Ehrungen verdienter Mitglieder. Vom 20. bis 26. März laden die Sportschützen zum Bezirkspokalschießen. Und zum Höhepunkt ihres Jubiläums geben die Geburtstagskinder im Sommer noch einmal Vollgas. In Kooperation mit den Kirmesburschen veranstalten sie am Kirmessamstag im August das große Bezirksschützenfest mit Festzug und Proklamation der Schützenkönige.
Ein ruhiggelegenes Schützenhaus mit Schießanlage in Nähe des Schwarzenbachs, auf der Mitgliedsliste stehen aktuell rund 110 Namen, davon wiederum 30 junge und ältere Erwachsene in unterschiedlichen Generationen als aktive Schützen. Inmitten der großen Männerschar blitzen vier Damen hervor und auch die können mit ihren Sportgeräten ziemlich gut umgehen. Es wird "scharf" geschossen mit Luftgewehren, Pistolen und Sportgewehren in einer Distanz von 10, 25 oder gar 50 Metern unter hohen Sicherheitsvorkehrungen und strengen Regeln.
 
Was genau aber macht den Reiz am Schießen aus? Worin liegt das Geheimnis ihres Erfolgs? Kurzum gewähren mehrere Mitglieder um Vereinsvorsitzenden Walter Theis einen tiefen Einblick in ihr "treffsicheres" Hobby. Mit Cowboy und Indianer Spielen hat der Schießsport so ganz und gar nichts zu tun. Es ist ein Mentalsport und fordert aller höchste Konzentration bis in die Zehenspitzen, verdeutlicht die Runde mit eingängigen Beschreibungen.
Gegründet wurde der Verein im Januar 1969 von 22 gestandenen Männern aus Grebenau. Manche waren bereits mit dieser Art von Sport vertraut, andere wollten ihn gerne von der Pike auf lernen. Demnach rotteten sie sich zusammen, machten "Nägel mit Köpfen" und beantragten wenige Zeit später die Aufnahme des Vereins in den Hessischen Schützenverband und Landessportbund. "Das erste Vereinsgewehr wurde vom Überschuss der vorherigen Kirmes von den damaligen Kirmesburschen für 360 D-Mark gekauft", erinnert sich Theis an die Anfänge.
Der Schießbetrieb wurde im Saal vom Gasthaus Krug auf drei Luftgewehrständen aufgenommen. Bereits nach kurzer Zeit aber war diese Anlage dem Ansturm der schießsportbegeisterten Schützen nicht mehr gewachsen. Zur Freude aller - und auch im Interesse seiner neuen Holzvertäfelung im Raum - stellte der einstige Vereinswirt einige Kellerräume zur Verfügung, die die Aktiven wiederum mit vollem Engagement und Tatendrang zu Luftgewehranlagen ausbauten. Nachdem die Schützen auf ersten Wettkämpfen auf Kreisebene auf fremden Schießständen Lunte gerochen hatten, wurde Anfang der 1970er Jahre immer mehr auch der Wunsch nach einer eigenen Schießanlage laut. Nach langjährigen Diskussionen und Bemühungen wurde 1976 die erste Baustelle eröffnet, Ende der 1980er erfolgte die zweite bauliche Herausforderung mit Bau und Aufnahme des Schießbetriebs im Gebiet der Schwarzenbach, verrät der Einblick in die Chronik. Im letzten Jahr erfolgte dann die zukunftsweisende Umrüstung auf digitale Technik, sodass der Verein jetzt über eine der modernsten Schießanlagen mit vollelektronischer Trefferanzeige im "Gastraum" im mittlerweile neu formierten Schützenbezirk verfügt. Trotz demografischen Wandels wurden die Weichen auf Fortschritt gestellt. "Nur in der Gemeinschaft und im Miteinander können wir stark sein und vieles bewegen. Das Wichtigste ist und bleibt dabei die Jugend- und Nachwuchsarbeit", ist sich die Gruppe bewusst. Erst kürzlich ging sogar ein Dreier-Gespann aus Großvater, Sohn und Enkel zum Meisterschießen an den Start und holte für den Verein etliche Siegerpunkte. "Wir sind ja quasi reingeboren und reingewachsen", schmunzeln Torsten und Christopher Theis über die "vererbten Gene" ihres Frontman Walter Theis.
"Hier im Verein haben wir eine Win-win-Situation für alle Generationen. Kameradschaft und Geselligkeit mit- und untereinander passen. Wir Jüngeren lernen von den Älteren und umgekehrt und vor unseren Mädels und deren Leistungen hat jeder großen Respekt", erzählen Felix Schäfer und Stefan Hermann. Weitere Attribute wie Teamgeist oder Fairplay, über den sachgemäßen Gebrauch der Sportwaffen und die Beachtung der Regeln, bis hin zur eigenen Fähigkeit, mit Siegen und Niederlagen umzugehen, runden die innige Auseinandersetzung mit dem Schießsport ab.
Aber nicht nur vereinsintern, sondern letztlich auch für das Gründchen und die Region leiste der Schützenverein durch seine Erfolge mit vier Mannschaften in verschiedenen Disziplinen in der Gau-klasse eine wertvolle, mitunter unverzichtbare Arbeit. Seit Beginn des Grebenauer Weihnachtsmarktes übernehmen die Schützen beispielsweise als Mönche den Ausschank im "Mönchskeller". Genauso können soziale Einrichtungen wie die Schule oder der Kindergarten regelmäßig vom Eifer der Sportschützen profitieren.
Ein wenig Sorge zum Weiterbetreiben des Schießstandes und des Sportes bereiteten allerdings die immer strengeren behördlichen Auflagen in Bezug auf Waffenrecht, Umweltschutz und Sicherheit. "Läuft irgendwo ein Mensch Amok und es findet sich eine Waffe im Haus, bekommen die Schützenvereine die Folgen zu spüren, obgleich es absolut konträre Situationen sind. Hier wird nicht das unwirsche 'Wild-Herum-Ballern' gefördert, hier wird auf volle körperliche und geistige Körperbeherrschung und 'Schießtauglichkeit' aufgebaut", machen die Schützen einem kleinen Unmut Luft.
Nichtsdestotrotz bleiben sie dran und versuchen, ihren Schützenverein aufrecht zu halten so lange es geht. Aufgrund des Aussterbens der Dörfer und kleineren Städte aber werde es in baldiger Zukunft bei den meisten Vereinen und Gruppierungen von Nöten sein, festgesetzte Grenzen zu lockern, und die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen zu vertiefen, um weiterhin erfolgreich zu sein, wagen die Kameraden eine Prognose.
Quelle: Oberhessische Zeitung: https://www.oberhessische-zeitung.de/lokales/vogelsbergkreis/grebenau/erstes-gewehr-fur-360-d-mark_20016069

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