"Ein Stück Zukunft entwickeln"

Noch hängt Eternit an der Giebelfassade der "Alten Schule" in Bieben. Künftig entsteht an dieser Stelle ein barrierefreier Eingang, und die Fassade bekommt eine Holzverschalung dank der Förderung des Hessischen Sozialministeriums (von links): Kirchendiener Dieter Kranz, Landtagsabgeordnete Eva Goldbach, Bürgermeister Lars Wicke, Orstvorsteher Jens Heddrich und Erster Stadtrat Martin Heddrich. Foto: Dickel
 
BIEBEN - Reger Betrieb herrscht an einem Freitagvormittag in der "Alten Schule" Bieben mit angeschlossener Kirche - dem Dorfgemeinschaftshaus. Planer und Architekt sind gerade mit Vermessungsarbeiten beschäftigt, damit es möglichst schnell mit dem Umbau losgehen kann. Die Finanzierung für Investitionen in eine qualitätssteigernde Entwicklung der "Alten Schule Bieben" ist ein wichtiger Meilenstein zur Weiterentwicklung und Attraktivitätssteigerung des Versammlungsraumes. Diese Mittel sind seit Kurzem gesichert. Geplant sind folgende Maßnahmen: Bau neuer und barrierefreier Toiletten, kleinere Veränderungen im Innenraum und Errichtung eines neuen und barrierefreien Eingangs auf der Giebelseite. Die Stadt Grebenau erhält dafür vom Land Hessen eine 90-Prozent-Förderung in Höhe von 71 000 Euro, um das Gebäude fit für die Zukunft zu machen. Vom Umbau sollen verschiedene Personengruppen profitieren, die die "Alte Schule" nutzen möchten. Hierzu zählen sowohl Familien mit jungen Kindern als auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität.
 
Das Haus soll für Versammlungen, Zusammenkünfte aller Art wie auch Familienfeiern attraktiver werden. Das machten Grebenaus Bürgermeister Lars Wicke (Freie Wähler), Erster Stadtrat Martin Heddrich, Biebens Ortsvorsteher Jens Heddrich und Kirchendiener Dieter Kranz während eines Rundgangs mit der Grünen Landtagsabgeordneten Eva Goldbach deutlich. Goldbach war einer Einladung der Stadt gefolgt, um sich das Objekt einmal selbst anzusehen. Hintergrund ihres Besuches war, dass sie die Stadt Grebenau bei der Suche nach Fördermöglichkeiten unterstützt hatte und schließlich ein passendes Programm im Sozialministerium ausfindig machen konnte. Die Förderung durch das Sozialministerium sei auf die EU-Behindertenrechtskonvention zurückzuführen, in der auch verankert sei, dass ein barrierefreier Zugang zu öffentlichen Einrichtung gewährleistet sein müsse, führte Goldbach aus. Sie habe sich nach der Anfrage von Bürgermeister Wicke nach möglichen Programmen umgeschaut, weil sie überzeugt sei, dass Dorfkerne erhalten und entsprechend gefördert werden müssten. Hinzu komme, dass überall dort, wo sich Menschen in Ortschaften für die Gemeinschaft einsetzten, vieles möglich sei. Als Beispiel nannte sie ihren Heimatort Frischborn. Dort habe der TV Frischborn sich mit großem Einsatz und viel Eigenleistung um die Sanierung der Turnhalle gekümmert, die für viele öffentliche Veranstaltungen wie ein Dorfgemeinschaftshaus genutzt werde. "Wir müssen öffentliche Räumlichkeiten in den Dörfern weiter erschließen, damit sie weiterhin genutzt werden können", betonte Goldbach.
 
In der "Alten Schule Bieben" sind die Toiletten derzeit noch im Keller untergebracht. Eine schmale Treppe und ein kurzer Gang ohne Handlauf führen zu den Örtlichkeiten. Dazu führte Ortsvorsteher Jens Heddrich aus, dass erreichbare Toiletten für ältere Menschen oder auch Familien mit kleinen Kindern wichtig seien. Mit dem Satz "eine Teilnahme für uns ist schwierig, da die sanitären Einrichtungen schlecht erreichbar sind", hätten verschiedene Gäste ihre Teilnahme an Veranstaltungen abgesagt, erläuterte der Ortsvorsteher. Beim Betrachten des Ist-Zustandes fügte Goldbach an, dass der Zugang zu den Toiletten auch eine Hürde für Kinderwagen darstelle. Gerade mit einem Kind auf dem Arm und dem zweiten im Wagen sei das für eine Mutter gar nicht zu schaffen. Sie selbst könne sich noch gut daran erinnern, dass sie als junge Mutter sogar die Post in Lauterbach habe meiden müssen, da für sie mit dem Kinderwagen der Zutritt schier unmöglich war.
 
Wicke machte deutlich, dass es sich um den einzig verbliebenen öffentlichen Raum in Bieben handele, der insbesondere als Versammlungsraum und Wahllokal genutzt werde. Hinzu kämen die Vermietungen, wofür die Stadt 40 Euro verlange. Mit diesen Einnahmen könne die Stadt die Sanierung nicht schultern. Es handele sich bei den Mieteinnahmen vielmehr um einen ideellen Betrag. Daher freue er sich sehr, dass die 90-Prozentförderung jetzt die Sanierung ermögliche. Aus eigener Kraft hätte die Stadt aufgrund vieler anderer Investitionen und des strapazierten Haushaltes wohl niemals die Sanierung in Angriff nehmen können.
 
Was den Biebenern jetzt noch fehlt, um das Gebäude "Alte Schule" in Verbindung mit der Kirche langfristig seitens der Bausubstanz zu erhalten, ist die Sanierung der Außenfassade. Im vergangenen Jahr hatten Kirche und Stadt bereits das Dach für eine Gesamtsumme von 150 000 Euro nach etwa 100 Jahren komplett erneuert. Daher gab ihnen Eva Goldbach noch mit auf den Weg, die restlichen Maßnahmen mit einer groben Kostenschätzung aufzulisten und ihr zuzusenden. "Es lohnt sich immer noch einmal zu schauen, was noch geht. Vielleicht ist etwas über die Dorfentwicklung möglich", machte die Landtagsabgeordnete den Vertretern der Stadt Hoffnung.
 
Ortsvorsteher Jens Heddrich zeigt sich aufgrund der Fördersumme und der baldigen Umsetzung sehr erfreut: "Wir werden ein Stück Zukunft für die Biebener entwickeln." Und fügt hinzu: "Investitionen in die Zukunft von Versammlungsräumen im Dorfmittelpunkt sind wichtige Meilensteine zur Weiterentwicklung und Attraktivitätssteigerung des gesellschaftlichen Lebens im Dorf."

Quelle: Oberhessische Zeitung

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