Böhmischer Abend im Gasthaus

Die Bläser vom evangelischen Posaunenchor Schwarz sorgen im Gasthaus Graulich für Stimmung.
 
SCHWARZ/ RAINROD - (lb). Böhmische Liebe eines ganzen Posaunenchores trifft böhmisches Festbüffet – und mehrere Hundert Gäste im Saal waren vollends begeistert. Nach dem Begräbnis der Kirmes in Rainrod in der Vergangeneheit hoben die einstigen Frühschoppenmusiker des evangelischen Posaunenchores Schwarz in Kooperation mit dem Gasthaus Graulich in Rainrod eine feinschmeckende Alternative für Leib und Seele aus der Taufe – den Böhmischen Abend.
 
Blasmusikfreunde aus nah und fern kamen im restlos ausverkauften großen Saal des familiengeführten Landgasthauses voll auf ihre Kosten. Passend abgestimmt zur schwungvoll, schmissigen Blasmusik aus dem Böhmer- und Egerland kredenzte das Küchenteam von Helma Graulich ein reichhaltiges Büffet an Speisen einer „wahren Sehnsuchtsküche“, die in der hohen Schule auch gut und gerne als „Wiege der Kochkunst“ bezeichnet werden kann, da früher die besten Köchinnen nun mal aus den weiten Landesteilen Mähren und Schlesien kamen – für viele Menschen der Region der Ursprung ihrer familiären Wurzeln, verrieten diverse Tischgespräche. Traditionell wurde ziemlich üppig gekocht. „Viel Fleisch und wenig Gemüse“, plauderte eine ältere Dame aus dem Schwalmtal mit schlesischer Abstammung aus dem heimatlichen Kochbuch.
 
Umso verständlicher wurde daraufhin das aufgebaute Schlaraffenland im Nebensaal als „lukullische Vorratskammer“ für die Gäste. Zur Vorspeise bot sich ein Angebot zwischen einer Meerrettichsuppe oder einer doppelten Rinderkraftbrühe mit Flädle. Spätestens zum Gang der Hauptspeisen aber hatten die Genussgänger wahrlich die Qual der Wahl. Kammbraten mit Spätburgunder-Bratensoße, ein deftiges Rindergulasch, Haxen, eine Hähnchenpfanne mit Tomaten, echte Backhendl und Fleischklöße ließen den Nachtschwärmern geradezu das Wasser im Munde zusammenlaufen. Mit Beilagen wie „Böhmische Knödl“, Kartoffelstampf und Kartoffeln sowie einem schönen Löffel an Wirsing- oder Wurzelgemüse, Kohlrabi oder Sauerkraut ein Essvergnügen sondergleichen. Wer dazu noch gerne Salat wollte, fand natürlich eine ebenso vielfältige Auswahl in der Salatbar. Und auch an die Schleckermäulchen hatte die Küchenchefin gedacht. Zur Vollendung der Begegnung mit dem Speisezettel der landestypischen Küche standen „Marillen-knödl“ mit brauner Butter oder „Marillensauce“ und Obstsalat parat.
Für die musikalische Unterhaltung sorgten indes die Posaunenchorbläser aus dem Gründchen. In einer Mischung aus kurzweiliger Moderation durch den Vorsitzenden Lars Wicke und einem erfrischenden Wechsel zwischen schmissigen und unauffällig-gediegenen Musikstücken – zwischen Polkas, Märschen und Walzer – lieferten die Musiker um Chorleiter Jochen Grabowski für Stunden ihren besonderen Lieblingssound, der alle Anwesende auf sehr persönliche Weise „beswingte“.
 
Junge Väter an der Theke ließen sich beispielsweise ungehemmt antreiben zu tatkräftigem Freudengesang und Drumübungen auf dem Thekentisch und den Hosenbeinen. Und besonders Kundige lieferten ein „Tutti-completti-Begeisterungsprogramm“ mit Schrei nach Zugabe und mehr.
 
Mit großer Musikalität und Liebe zum Detail spielten sich mehr als zwei Dutzend Bläser im Tutti, mit instrumentalen und gesanglichen Solieinlagen durch ihr abendfüllendes Showprogramm von mehr als dreißig Melodien mit „Pfiff und Schmackes“ für Herz und Gemüt. Die breit gefächerte Auswahl reichte von der „Sonntagslaune“, und einem „Polka ins Glück“, über die Selbsterkenntnis „Musik ist unser Leben“, bis hin zum Versprechen „Bis bald auf Wiedersehen“. Jedes Register, jeder Instrumentalist leistete im Eifer der einzelnen Arrangements und Kompositionen der Blasmusikszene im Stil von Altmeister Ernst Mosch in der Intonation seines Instrumentes seinen persönlichen Beitrag – angefangen in der Reinheit der Töne beim Anblasen und Spielen von Trompeten, Flügelhörnern, Tenorhörnern, Klarinetten und Bass. Und nicht zuletzt bei den gut gemeisterten Ritardandi der Liedstücke. Besonders beeindruckt reagierte das Publikum vor allem auf bekannte Stimmungs-Klassiker wie „Gablonzer Perlen“, „Rauschende Birken“ oder „Rosamunde“. Langeweile kam zweifelsohne bei keinem auf.
 
„Herrlich. Dieser Abend ist wirklich etwas für Leib und Seele. Das Büffet lässt keine Wünsche offen und die Musik ist lebendig und voller Leben. Da kommt Stimmung auf“, brachte die Schwärzerin Liane Jöckel wie etliche andere Begeisterte ihre Gedanken auf den Punkt. Weitere Angesprochene setzten gerne in Zeichensprache den „Like Daumen“ hoch in Anlehnung zur dargebotenen Sensationspolka „Böhmische Liebe“.
 

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